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Hätten
doch nur alle Studenten Waffen
14.05.2007
Die Toten des Blutbads von Virginia sind noch nicht beerdigt, schon tobt
eine Debatte um ein Heiligtum in den USA: um das Recht eines jeden
US-Bürgers,
eine Waffe zu tragen. Viele Waffenfreunde glauben, das Massaker hätte verhindert werden können -
wenn alle Studenten eine Pistole gehabt hätten.
Hamburg - Der Amoklauf an der Virginia Tech University in Blacksburg hätte
verhindert werden können - davon jedenfalls sind all jene überzeugt, die bei
solchen Gelegenheiten das amerikanische Recht auf Waffenbesitz preisen. "Hätten doch nur alle
Studenten Waffen tragen dürfen, hätten sie sich verteidigen
können",
schreibt ein Blogger mit dem Namen "KybonaWhogonna". Ein anderer kommt zu dem Schluss: "Es hätte gereicht,
wenn nur ein Student eine Knarre
bei sich gehabt hätte. Dann wäre der
Attentäter vielleicht frühzeitig erschossen worden. Das hätte vielen Menschen das Leben gerettet."
Der Schütze, nach Angaben des Universitätspräsidenten ein Student
asiatischer Herkunft, hatte gestern 32 Menschen und sich selbst erschossen.
Er lebte
in einem Wohnheim der Technischen Universität des US-Bundesstaates. Die Frage, warum der Campus
nach den ersten Schüssen nicht evakuiert wurde,
ist noch nicht geklärt -
schwere Vorwürfe werden gegen Polizei und Unileitung erhoben.
Die Waffe als lebensrettendes Instrument und Mittel zur Selbstverteidigung
- solche Argumente führt die in den USA mächtige Waffenlobby regelmäßig an,
vor allem nach Attentaten. Waffengegner kritisieren ebenso regelmäßig die Gesetze in dem Land als
viel zu locker. Sie verweisen darauf, dass in den USA
jährlich mehr als
30.000 Menschen an Schusswunden stürben und mehr Pistolen in Privatbesitz seien als in jedem anderen Land
der Welt - nämlich 200
Millionen Stück. Tod durch Schusswaffen sei bei
Kindern und Jugendlichen sogar die zweithäufigste Todesursache.
Heftige Kritik richten Waffenfreunde jetzt an die Universitätsleitung in
Blacksburg. Die nämlich hatte im vergangenen Jahr verhindert, dass das Recht
auf
das Tragen von Waffen auf dem Campus durchgesetzt worden war. Ein entsprechender Vorschlag von
Politikern für den US-Bundesstaat Virginia war
abgelehnt worden, Schulen und
Universitäten blieben damit per Gesetz waffenfreie Zonen. Larry Hinckler, Sprecher der Virginia Tech,
lobte damals, das
gebe Eltern, Studenten, Bediensteten und Besuchern ein
Gefühl von Sicherheit.
Waffenkritiker in der Minderheit
"Es ist also wichtiger, sich sicher zu fühlen, als tatsächlich sicher zu
sein", schreibt Blogger John Gilmer. Ein anderer, Chuck P. Adams, schreibt:
"Nur so
viel zur waffenfreien Zone auf dem Campus: Das kostete mindestens 30 Menschen das Leben."
Die Waffenkritiker sind im Netz derzeit in der Minderheit. Die Theorie,
das Attentät wäre zu verhindern gewesen, sei "Pferdescheiße", hält eine
Bloggerin
dagegen. Besäße jeder Student eine Waffe, hätte es in dem Fall in Virginia vielleicht viel mehr Tote
gegeben, weil möglicherweise unbeteiligte Leute
erschossen worden wären.
Außerdem sehe man ja, was passiere, wenn jeder eine Waffe besitzt: Es komme täglich zu unzähligen Unfällen mit
den Schuss-
waffen.
Ansonsten kommt Kritik vor allem aus dem Ausland. Ein Brite betonte, die
Lösung des Problems liege in der Waffenkontrolle. "Euer Recht, Waffen zu
besitzen,
ist damals in den Zeiten des Wilden Westens entstanden, und nicht, um die Waffenproduzenten
wirtschaftlich zu schützen."
Das Recht, eine Waffe zu besitzen und zu tragen, hat in den USA
Verfassungsrang und stammt aus dem Jahr 1791. Der sogenannte Zweite
Verfassungs-
zusatz lässt allerdings unklar, welche Waffen erlaubt sind und welche nicht. Ein Gesetz, wonach
Waffenkäufer sich innerhalb von fünf Tagen nach dem
Erwerb überprüfen lassen
müssen, wurde 1994 vom Obersten Gerichtshof gekippt. Immerhin ist seither der Verkauf von
vollautomatischen Waffen wie
Maschinenpistolen an Zivilisten verboten.
Einer Studie der Universität von Illinois zufolge besitzen 41 Prozent
aller amerikanischer Haushalte Schusswaffen. Entsprechend mächtig ist die
Waffenlobby
in den USA. Die wichtigste Organisation, die vier Millionen Mitglieder zählende National Rifle
Association, hält sich nach dem Amoklauf von Virginia noch zurück
in der
aktuellen Debatte. "Wie das ganze Land drücken wir den Familien der Virginia Tech University sowie allen, die von
dieser schrecklichen Tragödie betroffen
sind, unser tiefstes Beileid aus. In
Gedanken und Gebeten sind wir bei den Familien. Von weiteren Kommentaren sehen wir ab, bis alle Fakten
bekannt sind."
US-Präsident George W. Bush, der sich in einer kurzen Rede "schockiert und
traurig" zeigte und davon sprach, dass Schulen Orte sein sollten, "an denen
manch
sich sicher fühlt und lernen kann", lehnte restriktivere Waffengesetze ab. Dana Perino,
Sprecherin des Weißen Hauses, sagte, Bush halte weiterhin daran fest,
dass
jeder Bürger der USA das Recht habe, eine Waffe zu tragen. Allerdings müssten alle Gesetze beachtet werden.
Das Problem ist nur, dass sich Attentäter, Amokläufer und Mörder nicht an
Gesetze halten.
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Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
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