Der Schwur auf dem Rütli

 

"Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, so dass ihr sie bestehen könnt." (1.Kor. 10,13)

Seine Treue fordert unsere Treue heraus! Darum will ich Ihm gegenüber genauso treu sein, egal, was es mich kostet.
Das heisst, ich will fest, zuverlässig, beständig und verlässlich sein. Das ist möglich, denn Treue ist eine Frucht des
Heiligen Geistes (siehe Gal. 5,22).

In dieser Zeit beweist Gott Seine Treue einmal mehr ganz neu. Als vor über 700 Jahren die alten Eidgenossen
die Schweiz gründeten, taten sie das, indem sie einen Bund mit Gott schlossen. Und weil Treue zu Gottes
Wesen gehört, steht Er auch heute noch zu diesem Bund, selbst wenn die Menschen untreu geworden sind:
Er ist treu! Er hat in den letzten paar Jahren immer wieder Seine Diener aus aller Welt zu uns geschickt, und
sie kamen mit derselben Botschaft: "Wacht auf! Gott möchte euer Land berühren! Er hat es bisher immer wieder
bewahrt und möchte euch nun neu begegnen. Betet, freie Schweizer! Betet und fastet, denn Seine Herrlichkeit
will auf euer Land kommen!" Er will unser Land mit Seiner Herrlichkeit berühren und durch uns ganz Europa.

SNAP
   

                 
Der Rütlischwur gilt als Gründungsakt der schweizerischen Eidgenossenschaft.

 



Der Mond stand hoch in den funkelnden Sternen, und das zarte Schleierband der Milchstrasse überspannte den 
nächtlichen Himmel über dem Vierwaldstättersee. Kaum spürte man das leise Lüftchen, das vom Gotthard her
über den Urnersee strich und mit dem tanzenden Widerschein des Mondes spielte. Mächtig reckten die Urner- 
und Schwyzerberge ihre zackigen Häupter zum Himmel empor. Ringsum war alles still wie im schweigenden Raume
eines Domes. Mensch und Tier schliefen. Nur auf der waldumsäumten Rütliwiese brannte ein kleines Feuer.
Dort wachten ein paar Männer im flackernden Lichtschein. Sie redeten wenig. Um so aufmerksamer horchten 
sie gegen den See hinunter. Manchmal erhob sich Walter Fürst und schritt, tief in Gedanken versunken, zum
Rande der Wiese, von wo aus er gegen Brunnen hinüberblickte. Wie Firnschnee strahlte sein weisses Haupthaar
im Mondschein.

Vom See herauf klatschten Ruderschläge. Die Schwyzerfreunde nahten heran. Sie landeten mit ihren beiden 
Nauen und stiegen den steilen Hangweg empor zum geheimen Platz auf der Rütliwiese. Ab Yberg stützten sie 
den alten Konrad Hunn, weil diesen die schwanken Beine kaum mehr zu tragen vermochten. Walter Fürst schritt
den Männern entgegen und begrüsste zuerst mit innigem Händedruck seinen geliebten Freund Werner Stauffacher.
Hierauf begaben sie sich zum Feuer, wo die Urner ihre Schwyzerfreunde mit 
unterdrücktem Jubel empfingen.

Bald tauchten aus dem Walde andere Männer auf. Die Kapuzen der Hirtenhemden hatten sie über den Kopf 
gezogen, und in den Händen hielten sie knorrige Stöcke. Die Unterwaldner waren es. Am frühen Abend schon 
hatten sie daheim ihre Höfe verlassen und waren, geführt vom jungen Arnold, zum versteckten Platz gekommen. 
Müde und doch zufrieden setzten sie sich beim Feuer nieder. Nachdem alle einander begrüsst und kennen gelernt hatten, stieg Werner Stauffacher auf einen Stein, von dem aus er die Männerschar aus den drei Tälern
gut überblicken konnte.

"Brüder", begann er in feierlichem Tone zu sprechen, während die Männer sich erhoben, "im Namen Gottes stehen wir
hier und reichen einander die Hände. Ein Wille, ein Ziel einigt uns: Frei wollen wir sein ! In tiefster Not versprechen wir,
einander zu helfen, im Kampfe gegen die Vögte zusammenzustehen und uns vor keiner Gewalt zu beugen. Ist einer
unter euch, der nicht bereit ist, sein Leben, sein Gut und sein Blut zu opfern, so verlasse er den Kreis !"

Keiner regte sich, alle schwiegen. Da sprach Stauffacher mit feierlichem Ernste das Gelöbnis:"So erhebet, meine 
Freunde von Uri, Schwyz und Unterwalden, eure Hand zum Schwure ! Der dreieinige Gott sei Zeuge, dass wir
beschlossen haben, unsere Freiheit gegen jede fremde Macht und Gewalt zu schützen für uns und unsere Kinder !"

Wie ein heiliger Chor erklang der Schwur in der stillen Nacht :" Wir geloben es." Die Hände senkten sich, und in das
versunkene Schweigen sprach Walter Fürst andächtig wie ein Gebet die Worte: " Gott sei mit euch und eurem Bunde,
meine Eidgenossen !"

Staufacher fuhr fort: " Eidgenossen, wir sind entschlossen, unsere Peiniger, die Vögte, zu vertreiben. Wer
einen Ratschlag weiss, der spreche sich aus !" In den Reihen entstand wirres Gemurmel, das erst wieder
verstummte, als Arnold von Melchtal aus der Reihe trat und seinen Vorschlag kundtat.

"Wir müssen die Herren mit List ergreifen. Am Zinstag oder in der Neujahrsnacht, wenn wir unsere Geschenke in die
Burgen tragen, kommen wir unbehelligt hinter die Mauern. Wir halten die Waffen unter den Hemden versteckt, und
auf ein verabredetes Zeichen geht's los. Ein paar Dutzend Getreue genügen, um dem Vogt samt seinem Gesinde den
Graus zu machen."

" Gut gesprochen !" rief Rudolf Stauffacher, der ehemalige Schwyzer Landammann, dem jungen Unterwaldner zu. 
Lauter Beifall begleitete seine Worte. Arnold glühte vor Eifer und Begeisterung. Der vornehme Unterwaldner
Landammann von Oedisriet aber gab zu bedenken : " Männer, ihr vergesst, wie stark der Feind ist. Wenn wir die 
Vögte vertreiben, machen wir uns den Kaiser und seine verwandten Herzöge und Fürsten zu Feinden. Ich frage 
euch : " Seid ihr bereit, mit schlechten Waffen gegen ein mächtiges Reiterheer zu kämpfen ?"


"Wir sind bereit ! Der Kaiser ist Tot ! Wir werden die Reiter von den Rossen herunterholen !" Die lauten Rufe tönten 
wirr durcheinander. Nochmals versuchte der Landammann, die kampfesfreudigen Männer zur Besinnung zu bringen.
"Wir sollten noch zuwarten mit dem Burgensturm, bis der neue Kaiser gewählt ist. Vielleicht wird es kein Habsburger
mehr sein, und wir könnten ohne Waffen und Blut unsere Vögte loswerden." Wiederum wurde der Sprecher durch
Zwischenrufe unterbrochen: " Albrecht, des Kaisers Sohn, ist nicht besser als sein verstorbener Vater. Er wird uns
neue Vögte ins Land schicken. An Weihnachten schlagen wir zu !"

Auch der Urner Freiherr von Attinghausen wollte die Männer beschwichtigen: "Mit Waffe und Kampf richten wir gegen
einen überlegenen Feind nichts aus. Wenn wir besiegt werden, gibt's schlimmere Zeiten, als wir sie jetzt erleben. Wir
sollten dem neuen Kaiser unsere rechtmässigen Klagen vortragen und ihn um eine mildere Herrschaft bitten."

Aber auch dieser Vorschlag kam bei den Männern nicht gut an. " Wir haben lange genug gewartet, und es hat
alles nichts genützt." "Gewalt muss mit Gewalt bezwungen werden !" rief Werner Stauffacher von Schwyz dem
Urner Freiherrn entgegen.

Im Osten begann es schon zu dämmern. Es war Zeit zum Aufbruch. Werner Stauffacher stellte die letzte Frage:
" Wollt ihr den Kampf gegen die Vögte und ihren Anhang wagen ?"

Wie aus einem Munde kam die Antwort:
" Wir wollen es wagen, so Gott uns helfen wird !" Entschlossen begaben sich
die Bauern auf den Heimweg.